Mobile Speed: Die realen Geschwindigkeiten

Wenn Verkäufer und Marketingstrategen in Deutschland mobiles Internet anpreisen, dann immer mit der theoretischen Höchstgeschwindigkeit.

Diese theoretische Höchstgeschwindigkeit allerdings wird nie erreicht, sie ist ein rechnerischer Wert für ideale Laborbedingungen, also ohne praktische Bedeutung. Man könnte die Kunden auf die in der Realität zu erwartenden Geschwindigkeiten hinweisen, doch in den deutschsprachigen Ländern hat sich dies noch nicht durchgesetzt.

Wovon hängt es nun ab, wie schnell Sie im Internet mobil surfen? Wir erklären Ihnen, was alles der theoretischen Höchstgeschwindigkeit im Wege steht.

Was die Surfgeschwindigkeit abbremst

Die theoretische Höchstgeschwindigkeit wird in der Praxis durch etliche Faktoren verringert: Erstens durch die Zahl der Kunden, die über den gleichen Mobilfunkmast funken – je mehr Kunden diesen Mobilfunkmast nutzen, über den man gerade verbunden ist, desto langsamer wird die Datenübertragung. In der Praxis heißt das, dass Sie als Kunde zu Tageszeiten, in denen andere Nutze bevorzugt mobil online gehen mit deutlich langsameren Geschwindigkeiten rechnen müssen als, sagen wir einmal, nachts zwischen drei und fünf Uhr.

Dazu kommt als zweite Geschwindigkeits-Bremse die Signalstärke an dem jeweiligen Ort an dem Sie sich aufhalten. Diese Signalstärke hängt ihrerseits von einigen Umständen ab. Da ist zuerst einmal die Entfernung zum nächsten Mobilfunkmast – je weiter man weg ist, desto schlechter ist die Signalstärke und desto langsamer wird der Empfang. Stehen viele Hindernisse auf dem Weg der Funkwellen zum Sendemast im Weg – Hochhäuser, Bäume – kann auch dies die Signalstärke mindern. Dazu kommt die nähere Umgebung – Gemäuer schirmt einen Teil der Funkwellen ab, tief im Keller ist der Empfang mit Sicherheit schlechter als draußen im Freien.

Auch Ihr Gerät bestimmt die Geschwindigkeit

Schließlich bestimmt auch Ihr Gerät, wie schnell Sie surfen können, also wie schnell Sie einerseits Daten aus dem Netz herunterladen oder andererseits Daten ins Netz senden. Bei jedem Surfstick oder jedem Smartphone haben Sie beispielsweise eine Obergrenze für die Schnelligkeit, mit der Sie maximal Daten per Funk empfangen (Download) oder senden (Upload).

Wer ein neues Smartphone oder einen neuen Surfstick kauft, wird sich um diese Obergrenze keine Gedanken machen müssen – meist sind die Geräte auf schnelleres Tempo ausgelegt, als es von den Netzbetreibern geboten wird.

Bei Smartphones können allerdings die Empfangsqualitäten des Gerätes eine Rolle spielen – also wie gut das Gerät die Funksignale empfangen kann. Berühmtestes Beispiel dafür ist das iPhone 4, bei dem man feststellte, dass man die eingebaute Antenne verdeckt, wenn man das Smartphone auf eine bestimmte Art in der Hand hält. Das verringerte die Signalstärke und sorgte für einen schlechten Empfang.

So groß ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Wie groß ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? Sehr beträchtlich, so fanden die Tester von Computerbild heraus, als sie die Surfgeschwindigkeit testeten in fünf großen Städten - Berlin, Leipzig, München, Frankfurt am Main und Hamburg – und bei allen vier Netzbetreibern, das heißt E-Plus (Base), O2, Vodafone und Telekom. Das Resultat: In der Regel schaffen die Anbieter 20 Prozent des per Werbung verkündeten Höchsttempos. Werden beispielsweise über 20 Megabit pro Sekunde angepriesen, kommt man höchstens auf einen Wert von etwas über 5 Mbit/s.

Autor: ET