04.12.2017

Drosselung der Datenraten – berechtigt oder unzeitgemäß

Ab einem bestimmten Datenvolumen ist es soweit – die Surf-Geschwindigkeit wird auf ein Niveau reduziert, dass ein Weitersurfen unmöglich ist. Doch wie zeitgemäß ist dieses Vorgehen der Mobilfunker noch?

Rückfall ins Jahr 2007

Mit LTE sind Datenraten bis zu 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich. Doch so verlockend diese Datenraten sein mögen, so ernüchternd ist die Tatsache, dass ab einem bestimmten Daten-Volumen nur noch GPRS-Geschwindigkeiten zur Verfügung stehen. Sobald der Kunde eine der berühmt berüchtigten SMS-Nachrichten erhalten hat, in denen angekündigt wird, dass man ab jetzt nur noch mit reduzierter Geschwindigkeit surfen kann, ist der Spaß vorbei. Die Downloadrate sinkt von High-Speed auf maximal 64 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s).

Mobiles Surfen ist damit kaum möglich – auch wenn diese Datenraten noch 2007 beim ersten iPhone Standard waren. Dass mit diesen Geschwindigkeiten nichts mehr geht, kann sich die Telekom nicht erklären. "Nach unseren Tests funktionieren textlastige Anwendungen wie Messenger, Social Networks oder E-Mail auch bei dieser reduzierten Bandbreite", teilt der Konzern gegenüber Spiegel Online mit. Möglicherweise, so die Telekom weiter, seien auf dem Smartphone des Spiegel-Redakteurs Apps installiert, die im Hintergrund zu viel hin- und hersynchronisierten. Dem ist jedoch nicht der Fall, wie besagter Redakteur versichert.

Wer weitersurfen möchte, muss zahlen

Wer trotz Drosselung weiter surfen möchte, muss Datenvolumen nachkaufen. Da drängt sich einem der Gedanke auf, dass die Mobilfunker die Drosselung extra so niedrig setzen, damit der Kunde mehr oder weniger gezwungen ist, seinen Geldbeutel zu zücken. Die Telekom hat dazu ihre eigene Meinung und erklärt, dass die Reduzierung Bestandteil der Produktkalkulation sei. Außerdem lasse man den Kunden ausdrücklich die Wahl, nachzukaufen oder nicht.

Wie auch immer. Eine solch drastische Geschwindigkeits-Drosselung wirkt im Zeitalter von LTE veraltet. Vor allem, weil sich zwar die Datenraten in den Mobilfunknetzen in den letzten zehn Jahren vertausendfacht haben, das durchschnittliche Inklusiv-Volumen in den Tarifen sich aber nicht einmal verdoppelt hat. Darüber sollten die Netzbetreiber mal intensiver nachdenken.

ES